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Hymn score of: Meine Seel ist in der Stille (Paul Gerhardt/Johannes Thomas Rüegg)

Christ My Song - 2457

Meine Seel ist in der Stille
(Paul Gerhardt/Johannes Thomas Rüegg)

Meine Seel ist in der Stille.

(Psalm 62)

1. Meine Seel ist in der Stille,
  tröstet sich des Höchsten Kraft,
dessen Rat und heilger Wille
  mir bald Rat und Hilfe schafft;
der mehr kann als alle Götter,
ist mein Hort, mein Heil, mein Retter,
  dass kein Fall mich stürzen kann,
  tret er noch so heftig an. PDF - Midi

2. Meine Hasser, hört, wie lange
  stellt ihr alle einem nach?
Ihr macht meinem Herzen bange,
  mir zur Ehr und euch zur Schmach,
geht wie mit zerrissnen Mauern
und mit Wänden, die nicht dauern,
  mit mir um und seid bedacht,
  wie ich werde tot gemacht.

3. Ja, fürwahr, dies ein'ge denken
  die, so mir zuwider seind,
wie sie mir mein Leben senken
  dahin, wo kein Licht mehr scheint.
Darum geht ihr Mund aufs Lügen
und das Herz auf lauter Trügen;
  gute Wort' und falsche Tück'
  ist ihr bestes Meisterstück.

4. Dennoch bleib ich ungeschrecket
  und mein Geist ist unverzagt
in dem Gotte, der mich decket,
  wenn die arge Welt mich plagt;
auf den harret meine Seele,
da ist Trost, den ich erwähle,
  da ist Schutz, der mir gefällt,
  und Errettung, die mich hält

5. Nimmer, nimmer werd ich fallen,
  nimmer werd ich untergehn,
denn hier ist, der mich vor allen,
  die mich drücken, kann erhöhn;
bei dem ist mein Heil, mein' Ehre,
meine Stärke, meine Wehre.
  Meine Freud und Zuversicht
  ist nur stets auf Gott gericht't.

6. Hoffet allzeit, lieben Leute,
  hoffet allzeit stark auf ihn;
kommt die Hilfe nicht bald heute,
  falle doch der Mut nicht hin,
sondern schüttet aus dem Herzen
eures Herzens Sorg und Schmerzen,
  legt sie vor sein Angesicht,
  traut ihm fest und zweifelt nicht.

7. Gott kann alles Unglück enden,
  wird's auch herzlich gerne tun
denen, die sich zu ihm wenden
  und auf seiner Güte ruhn.
Aber Menschenhilf' ist nichtig,
ihr Vermögen ist nicht tüchtig,
  wäre es gleich noch so groß,
  uns zu machen frei und los.

8. Große Leute, große Toren
  prangen sehr und sind doch Kot;
füllen Sinnen, Augen, Ohren:
  kommt's zur Tat, so sind sie tot;
will man ihres Tuns und Sachen
eine Prob' und Rechnung machen,
  nach dem Ausschlag des Gewichts,
  sind sie weniger denn nichts.

9. Lasst sie fahren, liebe Kinder,
  da ist schlechter Vorteil bei;
habt vor allem, was die Sünder
  frechlich treiben, Furcht und Scheu;
lasst euch Eitelkeit nicht fangen,
nach dem Nicht'gen nicht verlangen,
  käm auch Gut und Reichtum an,
  ei, so hängt das Herz nicht dran.

10. Wo das Herz am besten stehe,
  lehr am besten Gottes Wort
aus der goldnen Himmelshöhe;
  denn da hör ich fort und fort,
dass er groß und reich von Kräften,
rein und heilig in Geschäften,
  gütig dem, der Gutes tut;
  nun, der sei mein schönstes Gut.

Paul Gerhardt, in: Geistlicher Liederschatz, 1842, Lied 896.

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